Als in einem Workshop die Lebensgeschichten von Michaela Vidláková und Elisheva Lehmann erzählt wurden, wurde es still im Klassenraum. Viele Schülerinnen und Schüler erinnerten sich noch lange daran, wie aus einem zunächst „sperrigen“ Unterrichtsthema plötzlich etwas sehr Reales und Bewegendes wurde – weil persönliche Geschichten berühren und begreifbar machen, was sonst oft abstrakt bleibt.
Genau hier setzt das Projekt Zweitzeugen e. V. an: Die Schule am Wilhelmsberg hat nun als erste Schule in Berlin einen Kooperationsvertrag mit dem Verein geschlossen. Ziel ist es, die Lebensgeschichten von Verfolgten des Nationalsozialismus weiterzutragen – gerade in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt. Unsere Schülerinnen und Schüler werden in Workshops zu „Zweitzeug*innen“ ausgebildet: Sie lernen Biografien kennen, setzen sich mit Antisemitismus, Rassismus und Erinnerungskultur auseinander und entwickeln zugleich eigene Möglichkeiten, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.
Schulleiterin Jana Reiter betont die Bedeutung dieser Zusammenarbeit: „Wir leben in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt. Bald ist es zu spät, dann wird es keine mehr geben.“ Die Kooperation ist daher auch eine verbindliche Vereinbarung, sich jährlich im Rahmen eines Workshops mit diesen Themen auseinanderzusetzen – ergänzend zum Unterricht und nah an den Fragen der Kinder.
Die Workshops folgen dem Prinzip „Herz, Kopf, Hand“: Emotionen wecken, Wissen vermitteln und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Dabei bringen die Kinder oft auch eigene aktuelle Fragen mit – und lernen, Unterschiede zwischen verschiedenen Formen von Diskriminierung zu verstehen und bewusst darüber zu sprechen.
Wir freuen uns sehr über diese Kooperation und danken Zweitzeugen e. V. für die Zusammenarbeit. Gemeinsam setzen wir ein klares Zeichen: Erinnern bleibt wichtig – und braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.

